Capoeira-Kurse in Wien & Klosterneuburg

CAPOEIRA

Was ist Capoeira?

Capoeira entstand zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert in den brasilianischen „Senzalas“ (Unterkünfte der afrikanisch-stämmigen Sklaven), die auch der Gruppe Senzala ihren Namen geben, sowie auf den Farmen, in denen die Sklaven arbeiteten. Seitdem hat sich Capoeira vielseitig entwickelt.

Capoeira besteht aus verschiedensten Elementen und deren Vermischung: Tanz, Kampf, Musik, Akrobatik, Interaktion, und vielem mehr. Vorrangig sind die Freude am Spiel und die harmonische Balance zwischen Körper und Geist, die das Ausüben von Capoeira mit sich bringt.

Oft wird Capoeira auch als eine Art Kampftanz bezeichnet. Bei Capoeira „kämpft“ man nur mit Einsatz seines Körpers. Basis für alle Bewegungen ist die sogenannte Ginga (sprich Dschinga), ein einfacher Grundschritt, bei dem man gleichzeitig das Gesicht mit den Armen schützt. In einem Menschenkreis (portugiesisch: Roda), begleitet vom Klang traditioneller Instrumente, „spielen" zwei Personen das Capoeira-Spiel.


Vorteile und Nutzen von Capoeira

Mit der ihr eigenen Vielschichtigkeit begeistert Capoeira jung und alt: Capoeira zu trainieren und auszuüben führt zu einem ganz neuen Bewegungs- und Körpergefühl. Capoeira eignet sich für alle, unabhängig von körperlichen Voraussetzungen oder Alter. Capoeira bringt Ausdauer, Kraft und Flexibilität und hilft, Stress abzubauen. Koordinationsfähigkeit, Reflexe und Beweglichkeit entwickeln sich im Training Schritt für Schritt. Neben dem körperlichen Wohlbefinden verbessern sich aber auch Kreativität und soziale und emotionale Intelligenz. Gerade bei Kindern macht Capoeira nicht nur Spaß sondern fördert wichtige psychomotorische, sowie kognitive und soziale Fähigkeiten. Das Erlernen der Sprache, Musik und Kultur Brasiliens gehören ebenso zu Capoeira wie das körperliche Training. Auch wer noch nie Sport gemacht hat oder wer sich nicht beweglich genug fühlt, sollte eine Schnupperstunde wagen.


Wie funktioniert das Training?

Das Training besteht hauptsächlich aus Einzel- und Partnerübungen und einer abschließenden Möglichkeit, die gelernten Bewegungen innerhalb der Roda umzusetzen. Dies fördert Intuition, Kreativität und Improvisation, da das Spiel in der Roda nicht einstudiert ist, sondern von den beiden Spielern und ihrer jeweiligen Reaktion auf die Bewegungen des anderen bestimmt wird. Ein Kick bietet beispielsweise die Möglichkeit für den Spielpartner, auf verschiedenste Art auszuweichen und wiederum einen Gegenkick vorzubereiten. So entsteht ein fließendes Spiel, in dem beide Spieler ständig aufeinander reagieren und miteinander, nicht gegeneinander, eine Abfolge von Kicks, Ausweichbewegungen und Akrobatik entstehen lassen.


Geschichte

Es war den Sklaven untersagt, zu kämpfen, deshalb tarnten sie ihre Übungen mit Gesang und Tanz. Capoeira war damit auch ein künstlerischer Ausdruck der Auflehnung gegen die Unterdrückung und Versklavung dieses Volkes. Ab 1890 war das Praktizieren von Capoeira offiziell verboten und wurde strafrechtlich verfolgt, um der schwarzen Bevölkerung nicht die Möglichkeit zu geben, sich der weißen Autorität zu widersetzen.

Um 1930 wurde Capoeira in ihrer Form und Geschichte durch Manoel dos Reis Machado, besser bekannt als Mestre (Meister) Bimba, revolutioniert. Nachdem er in seiner Akademie einen neuen Capoeira-Stil und eine dazugehörige Unterrichtsmethodologie entwickelt hatte, wurde er eingeladen, Capoeira vor dem Regierungspalast in seinem Heimatstaat Bahia vorzuführen. Daraufhin wurde Mestre Bimbas Capoeira-Akademie im Jahr 1937 offiziell durch die zuständigen Behörden anerkannt und das Capoeira-Verbot durch den Präsidenten Getúlio Vargas aufgehoben.

Inzwischen hat sich Capoeira zu einer weltweit bekannten Kampfkunst entwickelt, die in Brasilien und in der ganzen Welt von verschiedensten Personen, unabhängig von Alter, Ethnie, oder Gesellschaftsschicht ausgeübt wird.


Uniform und Corda

Die Uniform besteht gewöhnlich aus einem weißen T-Shirt, das oft den Namen und das Symbol der Gruppe trägt, einer weißen, langen Hose und einem Gürtel, bzw. Seil, um die Hüften, der sogenannten Corda. An der Farbe der Corda ist das Niveau des Capoeiristas (Graduação) zu erkennen. Allerdings variieren die Farben der Cordas je nach Gruppe. 

Für das Training ist die Uniform anfangs nicht verpflichtend, ein bequemes, weißes T-Shirt und eine lange Trainingshose reichen aus. Capoeira wird normalerweise barfuß praktiziert, kann aber auch in Sportschuhen gespielt werden.


Batizado und Troca de Cordas

Einmal jährlich findet üblicherweise ein mehrtägiges Event statt, zu dem Lehrer aus verschiedenen Ländern und Gruppen eingeladen werden. Es gibt Trainings-Workshops mit geladenen Lehrern, die Möglichkeit Fragen zu Capoeira zu stellen, und viele Rodas, in denen das Gelernte umgesetzt wird. Außerdem kann man oft auch andere brasilianische Tänze wie Samba, Forró oder Jongo kennenlernen. Auch der Austausch mit SchülerInnen von anderen Gruppen ist ein wichtiger Bestandteil solcher Events.  

Im Rahmen von Capoeira-Events können SchülerInnen je nach Fortschritt neue Cordas bekommen. Wenn es die erste Corda ist, wird dies „Batizado“ genannt, danach „Troca de Cordas“ (Gürtelwechsel). 


Spitzname

Eine weitere wichtige Capoeira-Tradition ist der Spitzname (apelido). Dieser wird oft im Batizado vergeben, kann jedoch auch davor oder erst später gefunden werden. Ein Capoeirista bekommt seinen Spitznamen meist von seinem Lehrer. Der Spitzname weist oft auf ein besonderes Merkmal des Capoeiristas hin - sei es eine Besonderheit im Spiel, im Aussehen oder in seiner Persönlichkeit.